Veröffentlicht in Allgemein, Familie, Horror, Leben, Pubertät

Pubertät oder Wann ziehst du aus?

Uns hat es ja schon etwas länger erwischt, eine furchtbare Nebenwirkung zum Großwerden. Oder ist es schon eine Krankheit? Eine ganz Schlimme, je nach Fall, aber selbstheilend nach einigen Monaten, bzw eher Jahren. Und wir mittendrin.

Die erste Phase war mit 6 Jahren. Da vermerkte ich bei jedem Tubn ihrerseits, ach die ist in der Vorstufe Rot zum Erwachsenwerden. Die Pubertät ist bei uns. Ja, das war da noch lustig. Das war ja auch nur ein Spruch. Vielleicht zu oft gesagt, vielleicht habe ich sie so zu uns gerufen. Laut meiner Mutter hatte ich sie nicht, bzw nur ganz leicht bis gar nicht. Ah, nun verstehe ich auch, warum immer noch ein Kind in mir steckt.

Ab dem 10. bis 12. Lebensjahr rollen die Geschlechtshormone an, um die Entwicklung anzukurbeln. Kann sie ja. Aber doch nicht hörbar für alle oder? Sichtbar auch nicht unbedingt.

Das einzig Gute an diesem  Zustand ist, das sie stundenlang in ihrem Zimmer liegt. Ja, liegt. Jede Bewegung ist anstrengend. Lieber balanciert sie über die Berge und Haufen, die ihren Boden zieren. Es wird alles reduziert, was anstrengend ist. Toilettengang wird von 4x am Tag auf einmal reduziert. Essen wird in einem Stück nach oben getragen, Frühstück fällt zu 99,9 Prozent wegen Ohnmächtig im Bett liegen aus, Mittag wird zu Abend zu sich genommen. So muss sie sich nur einmal, wenn es hoch kommt 2x am Tag, in der Küche bedienen. Küche. Meine liebe nette Küche. Es tut mir so leid. Erst schrubb ich dich und dann kommt Chaosqueen und läßt dich in einem miserablen Zustand zurück. Die Spüle türmt sich einmal die Woche, wenn das ganze Geschirr der Woche wieder den Weg nach unten findet ( nach mehrmaligen Bitten von mir).

Nein, die Teller und Schüsseln türmen sich getrocknet in der Spüle. Wasser? Ne, da muss man ja noch den Wasserhanh betätigen, das wäre wohl etwas zu viel abverlangt. Passiert ist es aber auch schon, das alles voller Wasser war. Vermengt mit sich langsam ablösenden komischen Essensresten und Fussel und Haaren. Ach, wie lecker.

Zum Glück beherrscht sie aber die Körperpflege. Das kenne ich auch anders. Plötzlich ist es voll in, stinkend und mit fettigem Haar durch die Welt zu schreiten. So ist sie nicht. Eher andersrum. Stundenlanges Duschen. Haarewaschen mit Vorspülung und Nachspülung, zwischendurch mindestens 3x den Hauptgang. Wir freuen uns schon auf die Wasserabrechnung, die letzte war schon höher als sonst.

Das Bad gleicht nach ihrer Benutzung einer Massendusche in der Schwimmhalle, alles nass. Nein, unsere Klamotten, die nett zusammengelegt auf dem Boden liegen, liegen immer noch dort. Jetzt nur nass. Richtig nass! Handtücher findet man nass und feucht verteilt auf dem Boden. Vom Badezimmer zu ihrem Zimmer und im Zimmer. Warum braucht Kind so viele Handtücher? Ich benötige zum Duschen ein kleines! Das Tolle ist, das die Handtücher da immer noch liegen würden, wenn wir sie nicht weglegen würden. Sie würde dann halt über die Tücher gehen.

Bei uns herrscht zur Zeit Teller und Schüsselmangel, von den Handtüchern will ich gar nicht reden. Ich benutze meins auch mal ein paar Tage hintereinander zum Abtrocknen. Sie einmal. Ihr Trinkglas auch. Dafür ihr Parfüm mehrmals am Tag. Hier richt es teilweise wie im Puff. Nein, ich war noch nie im Puff, aber so stelle ich es mir dort vor. Man muss kein ausgebilderter Spürhund sein, die Duftwolke, die sich durch das Haus zieht, riecht man auch ohne Asubildung. Sie könnte so nie heimlich das Haus verlassen, auch wenn wir es nicht hören würden, aber riechen!

Tätigkeiten, wie mal mit dem Mottenhund rauszugehen, eskalieren in ein Streitgespräch. Genauso wie andere Minitätigkeiten. Schliesslich war sie den ganzen Tag in der Schule. Ja, bewegt hat sie sich auch schon. Sie ist ja schon 2x mit dem Fahrrad gefahren. Wir sitzen ja nur hier rum, da könnte ich ja auch mit den Hunden gehen. Müsste ja eh zum Einkaufen, da kann ich ja gleich die Hunde mitnehmen.

Faul ist eingentlich zu milde ausgedrückt. Mehr als im Bett liegen ist zur Zeit nicht drin. Jede Bewegung, ob aufs Klo oder zur Küche ist anstrengend. Letztends lag sie auf ihrem Boden. Um halb 11 abends. Ich fragte sie, ob sie wüsste wie spät es ist!? Sie schafft es nicht hoch in ihr Bett. Sie ist so müde. Vom Rumliegen. Ich kann es irgendwie nach vollziehen. Wenn ich den ganzen Tag auf dem Sofa liegen würde, wäre ich auch hundemüde. Nichtstun kann ja auch anstrengend sein.

Aber eigentlich stimmt es gar nicht, sie liegt nicht nur so rum. Sie daddelt an ihrem Handy rum. Youtube Videos oder Whastapp. Den ganzen Tag. Was für ein geiles Zeugnis sie wohl hätte, wenn sie die Zeit mir Lernen verbringen würde!?  Schule, auch so ein Thema. Alle , aber auch wirklich alle Lehrer sind doof, vollkommen unfähig und total ungerecht. Kennen wir ja auch noch, zumindest nach Arbeiten, fand ich einige Lehrer auch doof. Aber gleich alle? Irgendwie sind alle doof, auch gute Freundinnen.

Noch schlimmer als ihre Faulheit, ist ihre Laune. Ein normales Reden ist nicht drin. Es wird sofort gemotzt und gemeckert. Egal was man sagt. Es kommt sofort ein dummer Spruch zurück. Ja, sie ist ziemlich provokativ. So sagt sie. Ich sage nur, es ist respektlos und dumm.

Bekommt sie ihren Willen durch, läuft dieses Wesen mit einem so süßen Lächeln durchs Haus. Aber wenn es mal nicht nach ihrem Willen geht, gehen wir ihr aus dem Weg. Der Blick gleicht einem Ungeheuer, was dich bei der kleinsten Bewegung fressen will. Die Mundwinkel hängen. Die Lippen sind Schmollmund ähnlich. So läuft sie zu 98Prozent rum. Zombies sehen freundlicher aus. Ganz ehrlich. Nach einem Telefonat mit dem Klassenlehrer, weiss ich jetzt auch, das es in der Schule nicht besser aussieht. Ja, in der Pause huscht wohl auch mal ein Lächeln durch ihr Gesicht. Aber selten.

Soll sie mal 5 Minuten auf den Zwerg aufpassen, zieht sie die Mundwinkel noch tiefer runter. Die hängen dann schon auf dem Boden. Sie macht es dann widerwillig und ungerne. Kaum sind der Papa und ich im Garten, um mal in Ruhe einen Kaffee zu trinken, geht es los. Sie schreit, der Zwerg schreit. Er heult, sie keift. Ok, nix mit Kaffee in Ruhe. Ich muss dazu sagen, sie liebt ihren Bruder über alles. Aber nicht in den 5 Minuten. Da ist er nur anstrengend. Passt nicht zum Faulsein.

Es gibt aber auch mal Sonnenschein oder Momente, wo ich denke und hoffe, das sie es geschafft hat. Selten, ziemlcih selten. Vor 2 Wochen hat sie die Küche geschrubbt. Von alleine. Und ab und an wäscht sie ihre Wäsche ganz alleine. Ne, unsere Sachen lässt sie einfach daneben liegen, Hauptsache ihre sind sauber. Aber ich verlange wohl auch zu viel.

Es gibt dann auch Momente, wo sie lieb und nett ist. Ob sie mir dabei helfen könne? Oder ob sie einkaufen soll?….oh man, jedesmal falle ich drauf rein. Das sind Momente, in den sie etwas WILL. Fast jedes mal. Ich war aber auch schon schlauer und habe sie durchschaut. Und da fängt dann die Rabenmutter an, ihr wahres Gesicht zu zeigen. Ich tu so, als wenn sie das machen könnte. Das was sie vor hat. Ich sage nichts. Ich tu nur so. Ich nutze dann ihre Hilfsbereitschaft aus. Ganz eiskalt. Dann dreh ich den Spieß um und bin die pubertäre Mutter.

Gut, danach ist alles schlimmer als vorher. Ich habe ihr Herz gebrochen, weil ich ihr Hoffnung gemacht habe, Das Gute ist, sie hat nichts schriftlich oder verbal vernehmen können, weil ich keinen Ton von mir gegeben habe. Wenn sie denkt, nur weil sie mir in dem Moment helfen darf, das sie dann einen Freischein hat…..da hat sie sich wohl ziemlich getäuscht.

Es gibt auch Tränen in der Pubertät. Selten von ihr, dann eher öfter von mir. Es gibt Momente, da könnte ich ihr wortlos eine scheuern. Aber so richtig! Nein, ich mache es nicht, auch wenn es gewaltig in den Händen juckt. Meistens kehre ich ihr den Rücken zu und verzieh mich. Sitze dann irgendwo im Haus rum und lass es laufen. Vor Enttäuschung oder vor Wut. Vor Hilflosigkeit oder Verzweiflung.

Man fragt sich, was man alles verkehrt gemacht hat. In solchen Momenten wohl alles.  Zum Glück ist es aber nur die Pubertät, die uns ja eines Tages auch wieder verlässt, um eine andere Familie zu belästigen. Ich hoffe, das es bald so weit ist. Ich werde nicht nett zu ihr sein, sie muss merken, das sie hier fehl am Platz ist. Wir wollen sie nicht. Schon mal nicht im Körper meiner Tochter. Soll sie sich doch einen schöneren Platz suchen. Ich werde versuchen bei unserem nächsten Mamatag , sie mal an ein anderes Kind zu schubbsen. Vielleicht kann die Pubertät dann ja rüber springen!?

 

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48 Kommentare zu „Pubertät oder Wann ziehst du aus?

  1. Oh – du sprichst mir soooo aus der Seele. Nur das es bei mir tatsächlich den Räuberhauptmann betrifft. Und der ist 13 und hat davon noch ein paar Jahre vor sich. Zum Glück ist die 15jährige recht pflegeleicht und ich hoffe, das hält sich 😊😎

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  2. Oh, sehr ehelixh geschrieben. Das muss ja manchmal wirklich unfassbar anstrengend sein. Ich muss auch häufig an meine Pubertät denken. Ich konnte da manchmal ziemlich unfair und verletzend sein und habe mich immer in der Opferrolle gesehen. Aber heute weiß ich das und es tut mir total leid im Nachhinein. Heute hab ich ein richtiges gutes freundschaftliches Verhältnis zu meinen Eltern! Halte durch 😊🤗

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  3. Da musst Du durch! Später einmal werdet ihr bestimmt gemeinsam über die Zeit lachen! 😉
    Wenn ich mich an meine Zeit zurück erinnere – nee ich hatte das nicht. Dafür war auch gar keine Zeit. Ich musste schon sehr früh erwachsen sein.
    Haste wieder super geschrieben und ich kann mir ein dickes Grinsen nicht verkneifen!

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Durchhaltevermögen!
    Gruß, Lilo 👋

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      1. Denk mal zurück, wie wir selbst genervt haben, zur Zeit jener wichtigsten Entwicklungsstufe…
        *lächel*
        … vor allem die Eltern! *g*
        Nun bekommst du halt „die Quittung“ von deinem eigenen Fleisch und Blut serviert 🙄

        Gefällt 2 Personen

  4. Oh ich freu mich schon! Da wir jetzt erst mit 6 Jahren quasi die Trotzphase haben, freuen wir uns gewaltig auf die Pupertät. Bei mir liegen manchmal jetzt schon die Nerven blank und ich sitze irgendwo im Haus und weine….
    Liebe Grüße und viel Kraft
    Alex

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  5. … es ereilte mich als alle ihre Freundinnen schon durch waren und mich in Sicherheit wiegte… nicht Jede musste letztendlich so sein wie ich es war… Fazit… niedergestreckt von den hormonellen Umbauarbeiten… ich dachte ich kenne jede Spielart… was hatten wir uns Baustellen angesehen als sie noch Kind war… Atmen mehrmals… mein Standardspruch war letztes Jahr ‚du weisst nicht wie lange dich der Hund noch begleitet’… jetzt liebt sie mich dafür… dran bleiben 😉

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  6. hahahaha – herrlich beschrieben!!!
    Meine Tochter hatte ihre pubertäre Phase vom 12. Lebensjahr bis zum … ich glaube, sie hat sie heute mit fast 24 noch manchmal. 😀
    Die Jungens waren da pflegeleichter.
    Ich bin schon auf meine Enkeltochter gespannt. Sie hat noch 7 Jahre bis 12, aber letztens hat sie im Gespräch raus gehauen: „Oma, diskutiere doch nicht mit mir!“ Uihh, habe ich gedacht: Wie ihre Mutter! 😮
    Halte durch! 🙂

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  7. Habe 3 Teenager überstanden und bin wirklich froh kein viertes Kind bekommen zu haben.
    Ich kann dir gut nachfühlen, weiß nicht wie oft ich mich damals eingesperrt habe, nur um zu heulen.
    Viel Kraft und Geduld wünsche ich dir.

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